Fleisch aus dem Labor

Herdenhaltung von Jungbullen

Herkömmliche Fleischproduktion: Sehen diese Jungbullen unglücklich aus?

Die Wissenschaft arbeitet mit Hochdruck daran, Fleisch künstlich im Labor herzustellen. Das Thema ist nicht zugegebenermaßen nicht mehr ganz neu, dennoch wurde ich erst in der vergangenen Woche noch einmal durch einen Artikel darauf aufmerksam gemacht.

Bevor ich mich weiter mit den Details auseinandersetze, muss ich klarstellen, dass ich absoluter Naturliebhaber und Tierfreund bin, mich dennoch für ein Leben als Fleischfresser entschieden habe (bzw. zu einem Fleischfresser erzogen wurde und nicht bereit bin, mir dieses abzugewöhnen). Ich toleriere Vegetarier, Veganer und auch alle anderen Ausprägungen, erwarte allerdings im Gegenzug auch Toleranz dafür, dass mir das Steak schmeckt und ich mit den negativen Begleiterscheinungen der Viehzucht lebe.

Bevor die Unken rufen, dass der Mensch von Natur aus kein Fleischfresser ist, und deshalb auf den Fleischgenuss verzichtet werden sollte, meine Meinung dazu: Ich kenne die Thesen, die in diesem Zusammenhang aufgestellt wurden. Wir sind weder mit einem Raubtier- bzw. Fleischfressergebiss ausgestattet, noch zeigt unser Körper ein optimales Verdauungssystem für Fleisch (der Verdauungsprozess dauert ziemlich lange). Aber betrachtet man unsere nächsten Verwandten in der Tierwelt, und ich denke jetzt in erster Linie an die Schimpansen, so kann festgestellt werden, dass diese durchaus Fleisch fressen und dabei auch nicht gerade zimperlich mit ihrer Beute umgehen.

Zurück zum eigentlichen Thema dieses Artikels: „Fleisch aus dem Labor“

Forscher und Wissenschaftler entnehmen beispielsweise einer Kuh Muskelgewebe und isolieren anschließend die Muskelstammzellen (Myoblasten), um diese dann in Petrischalen künstlich zu vermehren und in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Mit nur einer Zelle lassen sich so 100kg Fleisch produzieren.

Soweit die groben Vorgänge in der Laborherstellung von Zuchtfleisch. Tierschützer empfinden diese Entwicklungen als positiv, da dadurch die Massentierhaltung und die damit einhergehende Tötung von Tieren überflüssig werden könnte. Zudem nehmen die Belastungen für die Umwelt ab. Die künstlichen Fleischprodukte sind steril und weisen keine Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten auf. Geschmack und Nährwert des Zuchtfleisches können im Labor beliebig beeinflusst werden. Es gibt außerdem keinen Abfall bei der künstliche Fleischherstellung.

Das klingt doch alles ganz wunderbar. Wir können Fleisch essen, ohne dass ein Tier dafür leiden und sterben muss. Allerdings gibt es überall dort, wo die Sonne scheint, auch Schatten. Die Schatten der Fleischzucht im Labor fallen unter anderem auf den Geschmack. Zwar kann hier manipulativ eingewirkt werden, aber aufgrund fehlenden Blutes und Bindegewebes, geht dem Zuchtfleisch der richtige tierische Fleischgeschmack ab. Außerdem ist das Fleisch aus dem Labor in der Produktion sehr anfällig für Bakterien, da ihm das natürliche Immunsystem fehlt.

Ist es ethisch wirklich besser, künstlich Fleisch zu züchten? Greifen wir damit nicht auch massiv in die Natur ein und spielen wir ein kleines bißchen Gott? Sicher, wir erschaffen kein Leben, aber wir erschaffen etwas, das Leben ersetzt? (Schon höre ich wieder die Stimmen: „Aber was für ein Leben…“) Wer sich über die Methoden der Massentierhaltung aufregt, sollte sich Gedanken um Alternativen machen. So lange „billiges“ Fleisch verlangt wird, hat die Industrie keine andere Wahl, als die Herstellung dahingehend zu optimieren. Wir entscheiden letztendlich mit unserem Kauf bzw. mit der Entscheidung für den Ort des Kaufes, mit über die Zukunft der Fleischproduktion. Jedes Ding hat nun einmal mehr als zwei Seiten…

Mich persönlich macht Zuchtfleisch aus dem Labor nicht an. Ich habe keine Lust auf künstlich zusammengewürfelte Zellen und uniforme Steaks. Sorry, liebe Bullen, Schweine und Hähnchen, ich werde euch auch in Zukunft noch essen…

Welt.de berichtete bereits vor einiger Zeit über diese Entwicklungen in der Biotechnologie. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, finden Sie hier den Artikel.

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